Risse, die beim Schleifen entstehen, können verschiedene Ursachen haben:
Das Werkstück weist Oberflächeneigenspannungen auf, die seine Bruchgrenze überschreiten. Insbesondere haben vorangegangene Bearbeitungs-, Schleif- oder Wärmebehandlungsprozesse mechanische und thermische Restspannungen in der Oberflächenschicht hinterlassen. Beim Schleifen führt das Abtragen des spezifischen Oberflächenmaterials, das dieses empfindliche Spannungsgleichgewicht aufrechterhielt, dazu, dass die verbleibenden Eigenspannungen die Materialfestigkeit des Werkstücks überschreiten, was Schleifrisse zur Folge hat.
Unter allen Einflussfaktoren stellt die Rissbildung, die direkt durch den Schleifprozess selbst verursacht wird, den Kern des Problems dar. Das bedeutendste Problem ist die durch die Schleifwärme hervorgerufene Spannung. Aufgrund der beim Schleifen entstehenden Wärme steigt die lokale Temperatur an der Werkstückoberfläche rapide an; dieser lokalisierte Bereich erfährt einen Anlassprozess oder andere Formen der thermischen Veränderung. Folglich führen Strukturveränderungen im Material – in Verbindung mit der Oberflächenschrumpfung – zu Zugspannungen an der Oberfläche, die letztendlich zur Rissbildung führen.
Messungen der Eigenspannungen nach dem Schleifen – durchgeführt bei variierender Vorschubgeschwindigkeit der Schleifscheibe – zeigen Folgendes:
1. Je größer die Vorschubgeschwindigkeit der Schleifscheibe ist, desto tiefer dringen die Eigenspannungen ein.
2. Während sich Oberflächeneigenspannungen als Zugspannungen in Schleifrichtung manifestieren, können sie sich gleichzeitig als Druckspannungen senkrecht zur Schleifrichtung manifestieren; außerdem nimmt die Größe dieser Spannungen mit zunehmender Tiefe im Material rasch ab.
3. Bei der Analyse der Spannungen, die sowohl in Schleifrichtung als auch senkrecht dazu wirken, zeigt sich zunächst eine Druckspannung, die abrupt in eine Zugspannung in Schleifrichtung übergeht. Nach Erreichen ihres Maximalwerts nimmt die Spannung allmählich ab und geht schließlich wieder in eine geringe Druckspannung über.
Der Zusammenhang zwischen Vorschubgeschwindigkeit der Schleifscheibe und Eigenspannung:
1. Mit zunehmender Vorschubkraft der Schleifscheibe steigt die Zugspannung kontinuierlich an und nähert sich allmählich der Zugfestigkeit des Werkstückmaterials. Sobald die Eigenspannung die Zugfestigkeit des Materials überschreitet, kommt es zur Rissbildung.
2. Die Druckspannung weist keine signifikanten Schwankungen auf. Obwohl direkte Vergleiche zwischen verschiedenen Studien aufgrund unterschiedlicher Messskalen und Versuchsbedingungen schwierig sind, lässt sich übereinstimmend feststellen, dass die Zugeigenspannung ihr Maximum bei einer Schnitttiefe (Rückgriff) von 0,05 mm erreicht. Selbst bei weiterer Erhöhung der Schnitttiefe steigt die Zugeigenspannung darüber hinaus nicht wesentlich an. Dieses Phänomen wird im Allgemeinen auf den Abrieb von Schleifkörnern während des Schleifprozesses zurückgeführt.

